Wir erziehen Kinder zu Robotern, weil ihnen Bedürfnisse aberzogen werden

… und dadurch werden diese wichtigen Verbindungen im Gehirn sukzessive gehemmt, d.h. die innersten, lebendigen Bedürfnisse werden unterdrückt und somit im Keim erstickt. Die Kinder werden zwangsläufig den digitalen Geräten immer ähnlicher. Sie haben keine Vorstellung mehr wie sich ein Bedürfnis stillen lässt wenn keines mehr da ist, und man kann dadurch auch nicht mehr den Willen aufbringen, es umzusetzen.

Der berühmte, und von mir sehr geschätzte, Neurobiologe und Hirnforscher, Prof. Gerald Hüther, liefert viele Beiträge zu Themen wie Angst, Schulsystem, Erziehung, Corona etc. Ich möchte aus der Summe seiner Ansätze (sinngemäß wohlgemerkt!) eine kurze, für mich besorgniserregende Quintessenz seiner Thesen wiedergeben:

Der Mensch und die künstliche Intelligenz

In uns Menschen sind von Geburt an im Gehirn Verknüpfungen angelegt, die uns von der KI (künstlichen Intelligenz) unterscheiden. Die Fähigkeit ein Bedürfnis herauszubilden – das hebt uns vom Roboter ganz klar ab. Wir sehnen uns nach Nähe, Liebe, Konsum, Unternehmungen, Austausch, Wertschätzung, Berührung, Karriere, Wettbewerb, … was auch immer für den Einzelnen wichtig ist – und jedes Bedürfnis ist zwangsläufig immer auch mit Gefühlen und Emotionen verbunden.

Soweit, so gut – das war bislang so. Doch was passiert jetzt durch die Pandemie? Wir erklären unseren Kindern dass sie nicht mehr zu Oma/Opa dürfen, nicht zu ihren Freunden, nicht in die Schule, nicht mit Freunden abhängen, nicht raufen/blödeln/kudern/….

Die Kinder werden dressiert, abgerichtet, funktionalisiert, denn irgendwann vermissen sie Oma/Opa nicht mehr – halten Abstand, und sind mit ihren Freunden auf digitalem Weg in Kontakt, …

… und dadurch werden diese wichtigen Verbindungen im Gehirn sukzessive gehemmt, d.h. die innersten, lebendigen Bedürfnisse werden unterdrückt und somit im Keim erstickt. Die Kinder werden zwangsläufig den digitalen Geräten immer ähnlicher. Sie haben keine Vorstellung mehr wie sich ein Bedürfnis stillen lässt wenn keines mehr da ist, und man kann dadurch auch nicht mehr den Willen aufbringen, es umzusetzen.

Wenn ich als 50jährige ein Jahr lang meine Bedürfnisse unterdrücke, dann werde ich vermutlich nachhaltig keinen einschneidenden Schaden davontragen. Aber wenn ein 5jähriges Kind ein Jahr lang reglementiert wird, dann sind das 20 Prozent seines Lebens!

Bedürfnisse werden abtrainiert

Als ich diesen Bericht hörte war ich zutiefst betroffen. Denn wenn man das Ganze weiterspinnt, dann hat sich für mich folgendes Fazit abgezeichnet: unseren Kindern werden diese Bedürfnisse abtrainiert. Sie werden kühl und funktionieren für sich und das System. Aber diese Kinder bekommen ja auch wieder Kinder – was sollen deren Eltern vorleben, wenn sie es doch selbst nicht mehr gelernt und erfahren haben?

Ich bin der Meinung dass wir jetzt alle gefragt sind, nicht nur die Eltern, Lehrer, Kinder­gärtner­innen etc. Wir müssen uns selbst wachrütteln und uns wieder darauf besinnen, unsere tiefsten Werte weiter zu vermitteln. Denn wenn wir keine werteorientierte Gesellschaft mehr sind, sondern nur mehr geprägt von Ängsten, dem Erfüllen von Vorgaben, nur mehr funktionieren, und warten auf eine bessere Zeit, dann kommt uns auch der Sinn abhanden, und schließlich sollte unser Denken, Handeln und Wachsen sinnstiftend sein, um folglich auch Bereicherung  sowie ein Glücksgefühl herausbilden zu können.

Nimm dein Kind einfach in den Arm, frag nach wie es ihm geht, frag was du für das Kind tun kannst, nimm ernst was es dir erzählt, hab Vertrauen zu deinem Kind und mach etwas mit ihm das ihm Freude macht (spielen, tanzen, musizieren, spazieren gehen), damit es wieder seine lebendigen Bedürfnisse spüren kann.

Wenn du liebevoll zu deinem Kind bist, dann sei auch liebevoll zu dir selbst. Du wirst feststellen, du regst dich nicht mehr über so viel auf, du bist näher beim Kind, …

Die vergessene Generation

Unter diesem Titel gab es neulich eine Fernsehdokumentation. Im Fokus stand die pubertierende Generation. die alle normalen Bedürfnisse während der Pandemie nicht ausleben konnte: Der erste Kuss, Party, verliebt sein, Alkohol, Freunde treffen, abhängen, … Situationen, die jeder von uns kennt, und für die es nur ein bestimmtes Zeitfenster gibt. Hier gab es enorme Defizite, und wir können nicht erahnen was die Konsequenz aus dieser „Enthaltsamkeit“ ist. Viele sprechen nicht darüber. Natürlich, die Eltern haben ihr Fett abbekommen weil sie durch Distance learning und Home-Office der Pupertäts-Reaktionen noch stärker als sonst ausgesetzt waren. Wollen wir hoffen, dass sich das alles gesund nachholen lässt. Diese Jugendlichen haben auch Anspruch auf Sozialkontakte. Alles was in der Kindheit/Jugend nicht ausgelebt wird, hat oft im fortgeschrittenen Alter Folgen.

Ein liebevoller Umgang mit sich selbst überträgt sich auf das Kind, und dieses wird wachsamer für seine Bedürfnisse weil du das vorlebst – auch in Corona-Zeiten. Pass gut auf dich und deine Kinder auf und bleib oder werde in deinem Innersten lebendig!

Unterstützung gefragt?

DIEliebe

Für all jene, die sich bei diesem Thema angesprochen fühlen, könnte diese kraftvolle Essenz aus der Serie „bewusstSEIN erLEBEN“ eine großartige Unterstützung darstellen.