Zukunftsverantwortung – die bittere Pille danach

Jeder Aktion folgt eine Reaktion. Ist die sinnbildliche „Pille danach“ eine Notlösung oder nur bequem? Übernehmen wir auch die Verantwortung dafür? Wir haben jetzt Spaß, aber über das morgen wollen wir uns nicht sorgen?! Kurzfristiges Denken mit unvorstellbaren Folgen – das herbe Erbe unserer Kinder!

Zukunftsverantwortung – wer ist dafür zuständig?

Da muss es noch gar nicht um die Zukunft und das Erbe unserer Kinder gehen. Es stellt alleine das Wort „Verantwortung“ schon eine große Herausforderung dar. Mit einem Zitat von Schriftsteller Ambrose Pierce lässt sich das in der heutigen Zeit leider immer öfter folgendermaßen beschreiben:

„Verantwortung ist eine abnehmbare Last, die sich leicht Gott, dem Schicksal, dem Glück, dem Zufall oder dem Nächsten aufladen lässt.“

Ich möchte mit diesem Blog nicht die ganze Menschheit über einen Kamm scheren. Ich möchte lediglich eine kritische Betrachtung der heutigen Zeitgeistwerte aus den unterschiedlichsten Bereichen, und den daraus resultierenden Folgen, in den Raum stellen.

Egotrip vs. Denken über den Tellerrand hinaus

Jeder von uns ertappt sich bestimmt bei näherer Betrachtung des Alltags in so mancher Situation, dass gewisse Handlungen oder Aktivitäten nicht unbedingt zukunftsorientiert gesetzt werden. Vielleicht dienen diese ausschließlich dem Zweck, JETZT etwas haben zu wollen, und wenn es nur Spaß (auf Kosten anderer) ist. Spontan fallen mir dazu ein paar mögliche Aspekte ein, wo sich vielleicht der/die Eine oder Andere an der Nase nehmen kann:

Billigste Kleidung, die mit Kinderarbeit oder unter widrigsten Umständen erzeugt wurde. Tiefpreis-(Lebens-)mittel, die den Erzeuger kaum noch überleben lassen. Konsum- und Wegwerfgesellschaft, einfach um sich etwas Gutes zu tun. Reisen mit Kreuzschiff oder Flugzeug ohne den Gedanken an die Umwelt. Strom und Energie kommen aus der Steckdose , wen kümmert es wo dieser wie erzeugt wurde. Luxusautos mit 100en PS, Spritverbrauch und Umwelteinflüsse sind bei dem Spaßfaktor nicht existent. Sex ohne Verhütung und ohne Fokus auf mögliche Konsequenzen, denn die „Pille danach“ erledigt mögliche Nebeneffekte. Bewertung und Verurteilung des Nächsten, ohne Respekt und Akzeptanz des anders-sein-dürfen. Corona-Staatsverschuldung, das ist ja ein globales Problem. Wichtig ist dass ich vom Vater Staat unterstützt werde, …! Diese Liste ließe sich endlos fortführen!

Fragen der Zukunftsverantwortung sind heute aus mehreren Gründen von besonderer Aktualität.

Ein Auszug aus der Veröffentlichung der Akademie für Technik-Folgenabschätzung in Baden-Württemberg, von Dieter Birnbacher und Christian Schicha erklärt dies sehr treffend:

Vorsorge statt Nachhaltigkeit – Ethische Grundlagen der Zukunftsverantwortung

1. Die technische Verfügungsmacht des Menschen nimmt immer größere Dimensionen an und reicht in immer weitere Zukunftshorizonte hinein.
Ein Beispiel sind die möglichen globalen Wirkungen der Emission von Treibhausgasen wie C02 auf die großklimatischen Verhältnisse. Von den meteorologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen der zu befürchtenden Klimaveränderungen werden voraussichtlich erst die Generationen unserer Enkel und Urenkel betroffen sein.

2. Wir wissen zunehmend mehr über die mit gegenwärtigem Handeln und Unterlassen verknüpften langfristigen Risiken und über mögliche Handlungsalternativen. Damit erhöht sich der moralische Druck auf menschlichem Tun und Unterlassen. Der Spielraum für Entlastungsargumente von der Art „Wir haben es nicht gewusst“, „Wir konnten es nicht wissen“, „Wir konnten es nicht andern“ schrumpft.

3. Wir sind dabei, der Nachwelt eine gewaltige Hypothek in Gestalt einer übernutzten Umwelt zu hinterlassen. Ursächlich dafür ist das ungebremste Wachstum der zivilisatorischen Inanspruchnahme der Natur. Sowohl als Quelle von Naturgütern wie Boden, Wasser, Rohstoffen und Energie als auch als Senke für Rest- und Schadstoffe aus Produktion und Konsum wie Abfälle, Chemierückstande sowie Luft- und Wasserverunreinigungen.

4. Viele der Schädigungen, die wir den künftigen Generationen hinterlassen, sind irreparabel und gefährden die Lebensqualität aller nachfolgenden Generationen: verödete Landschaften, Artenschwund, klimatische Veränderungen. Hinzu kommen die irreversiblen Risiken, an die sich die späteren Generationen anpassen müssen, etwa die Risiken der radioaktiven Rückstände aus der Nutzung der Kernenergie. Diese Hypothek geht bisher zum größeren Teil nicht auf das Konto des globalen Bevölkerungswachstums. Vielmehr auf das Konto des Wachstums der Aktivitäten eines kleinen Teils der Weltbevölkerung, die ihre Austauschprozesse mit der Natur (in Produktion und Konsum) unbekümmert um die natürlichen Begrenzungen des „Raumschiffs Erde“ enorm intensiviert haben. Mit dem Eintritt bevölkerungsreicher „Schwellenländer“ wie Indien und China in den Kreis der Industrieländer könnte sich diese Situation ändern. Schon heute gehen die größten Gefahren etwa für die Ozonschicht der Atmosphäre nicht mehr von den Industrieländern, sondern den Schwellenländern aus. Diese sind nicht reich genug sind, um auf umweltgefährdende Naturnutzungen verzichten zu können.

5. Das anhaltende exponentielle Bevölkerungswachstum nimmt eine immer dramatischere Qualität an. Die Zahl der Bewohner der Erde hat sich seit 1950 von 2,5 Milliarden Menschen bis heute mehr als verdoppelt. Im Mittel rechnen die gegenwärtigen Schätzungen bis zum Jahr 2050 mit einer Weltbevölkerung von insgesamt zehn Milliarden Menschen. Es ist noch gänzlich unklar, wie die Grundbedürfnisse so vieler Menschen mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen gedeckt werden sollen. Selbst eine hypothetische radikale Egalisierung der Ressourcen zwischen den reichen, bevölkerungsarmen und den armen, bevölkerungsreichen Ländern könnte die Überlastung der Tragfähigkeit der Erde kaum verhindern. Ganz abgesehen von der Unwahrscheinlichkeit, dass sich die reichen Länder zu einer derartigen Umverteilung bereit finden werden. Auch wenn es uns in der industrialisierten Welt von Jahr zu Jahr besser zu gehen scheint: global sind die Aussichten fatal. Schon heute hungern mehr Menschen auf der Erde als in irgendeiner der vorangegangenen Phasen der Existenz der Menschheit.

Angesichts der globalen Entwicklungstrends bedarf es keiner weiteren Erklärung dafür, warum sich das Paradigma der Zukunftsethik (wie man es nennen konnte) in den beiden letzten Jahrzehnten vom optimistischen zum pessimistischen Pol verschoben hat. Das optimistische Paradigma sah Verantwortung für zukünftige Generationen primär als Verpflichtung zur Verlängerung eines verlässlichen Fortschrittsprozesses.

Lösungs-Gedanken dazu gab es schon vor langer Zeit von den größten Philosophen

Marc Aurel hat in seinen Selbstbetrachtungen folgendes Zitat verfasst (Quelle: Der tägliche Stoiker):

„Du bekommst, was du verdienst. Statt heute ein guter Mensch zu sein, hast du dich entschieden, morgen einer zu werden.“

Wir wissen fast immer, was richtig ist. Wir wissen, dass wir uns nicht aufregen sollen, dass wir etwas nicht zu persönlich nehmen sollen. Auchdass wir in den Bioladen gehen sollten, statt das Fast-Food-Restaurant anzusteuern, dass wir uns hinsetzen und uns eine Stunde lang konzentrieren müssen. Der schwierige Teil ist, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt dazu durchzuringen.

Was hält uns davon ab? Der Schriftsteller Steven Pressfield bezeichnet dieses Phänomen als Widerstand. So schreibt er in The War of Art: „Wir sagen uns nicht: „Ich werde meine Symphonie nie(mals) schreiben.“ Stattdessen sagen wir: „Ich werde meine Symphonie schreiben, schon morgen werde ich damit beginnen.“

Marc Aurel meinte dazu auch:

„Was ist deine Berufung? Ein guter Mensch zu sein.“

D.h., die Stoiker waren vor allem davon überzeugt, dass unsere Aufgabe auf Erden darin besteht, ein guter Mensch zu sein. Es ist eine grundsätzliche Pflicht, doch wir sind Experten darin, Entschuldigungen zu finden, es nicht zu sein.

Heute, nicht morgen, ist der Tag, an dem wir anfangen sollten, gut zu sein. Gut zu uns, zu unserer Umwelt, zu unseren Nachfahren

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Für all jene, die sich bei diesem Thema angesprochen fühlen, könnte diese kraftvolle Essenz aus der Serie „bewusstSEIN erLEBEN“ eine großartige Unterstützung darstellen.