Bewahren vs. Veränderung – Gib dem WOLLEN keine Macht!

Noch nie zuvor bedurfte es in unserem Leben so viel Veränderungsbereitschaft. Die aktuelle Situation hat uns allen verdeutlicht: Mit einem einzigen Federstreich kann jede Sicherheit in unserem Leben verschwinden. Doch die eigene Wandlungsfähigkeit wird häufig überschätzt. Die Realität zeigt einen ausgeprägten Hang zum Festhalten an Althergebrachtem. All das endet letztendlich im Spagat zwischen Wollen, Kampf und Mangel. Denn je vehementer eine Veränderung vorangetrieben wird, desto größer wird die Zahl der Menschen, die sie verhindern möchte.

Bewahren: heißumkämpft und gleichzeitig der Kampf schlechthin

Es gibt vermutlich kaum jemanden auf diesem Planeten, der im vergangenen Jahr nicht mit Veränderung, Einschränkung, Erneuerung, Verzicht, Jobwechsel, Umstrukturierung, etc. konfrontiert wurde. Die Folgen und Maßnahmen spalten unser Land, die Gesellschaft, ja sogar Familien. Der Grund: wir wollen etwas, allerdings nicht jeder das Gleiche (deshalb die Spaltung), denn wenn schon Veränderung, so hat doch jeder für sich eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie diese von Statten gehen soll. Denn niemand will auf etwas verzichten, etwas verlieren, oder sich womöglich gänzlich verändern müssen. Fazit: das geht sich in Zeiten wie diesen leider nicht aus, …

Uralte Lektionen der Stoiker haben an Aktualität nie verloren

Vielleicht ist für dich ein philosophischer Auszug zu diesem Thema ebenso unterstützend und hilfreich, wie für mich. Er stammt von einem der drei größten Weisen des Stoizismus, Epiktet (Quelle: Der tägliche Stoiker).

Wer nichts will, dem fehlt es an nichts:

„Denke daran, dass es nicht nur unser Verlangen nach Reichtum und Erfolg ist, das uns unterjocht und erniedrigt, sondern auch das Verlangen nach Frieden, Freizeit, Reisen und Bildung. Um welches Objekt es sich handelt, ist egal – es ist der Wert, den wir einer Sache beimessen, der uns unterwürfig macht … Wo unser Herz hinstrebt, das ist unsere Bürde.“

Epiktet meinte sicherlich nicht, dass Frieden, Freizeit, Reisen und Bildung schlecht sind. Doch permanentes brennendes Verlangen – selbst wenn es an und für sich nicht schlecht ist – ist beladen mit möglichen Komplikationen. Das, wonach wir uns sehnen, macht uns verwundbar. Sei es die Gelegenheit, eine große Reise zu machen, den nächsten Karrieresprung anzustreben, oder die Verlockungen von fünf Minuten friedlicher Ruhe – wenn wir uns nach etwas sehnen, wenn wir wider aller Chancen hoffen, dann sind wir gegen die Enttäuschung nicht gefeit. Denn das Schicksal kann immer intervenieren, und in der Folge verlieren wir sehr wahrscheinlich unsere Selbstbeherrschung.

Der berühmte Zyniker Diogenes sagte einmal:

“Nichts zu wollen macht einen unbesiegbar – denn dann liegt nichts mehr außerhalb deiner Macht.“

Das betrifft nicht nur Aspekte die leicht kritisiert werden könne, wie Reichtum oder Berühmtheit. Jenes grüne Licht, nach dem der große Gatsby sich stets sehnte, kann allerdings auch scheinbar positive Ziele verkörpern, wie Liebe oder eine heldenhafte Aufgabe. Doch es kann trotzdem Menschen zerstören.

Veränderung ist fast nie bequem

Die Kluft zwischen dem Festhalten wollen am Alten und dem Integrieren des Neuen stellt uns vor enorme wirtschaftliche, familiäre und natürlich, allen voran, persönliche Herausforderungen. Doch seien wir ehrlich: Wie würden unsere Groß- und Urgroßeltern die Zeiten des 1. und 2. Weltkrieges beschreiben? Hier ging es doch ebenfalls um die gleichen Themen – lediglich anders gelagert: Verlust, Einschränkung, Verzicht, Wiederaufbau, Neuorientierung, Ungewissheit, Mangel,  Verzweiflung. In diesen Zeiten hatte das WOLLEN keine Macht. Schon damals war: „Das ÄNDERN leben“ die Devise. Ob Pest oder Cholera, Krieg oder Wiederaufbau – das Festhalten an Althergebrachtem war noch nie dienlich. Je mehr wir uns gegen Veränderung an sich wehren und gegen sie ankämpfen, umso mehr schaden wir uns selbst und verlieren unnötig Energie. Genau die Energie, die wir für DAS NEUE brauchen.

All das bedeutet natürlich nicht, dass wir unsere Themen für uns selbst nicht kritisch hinterfragen sollen. Jeder sollte für sich entscheiden wofür er vorhat einzustehen. Doch was deine Ziele betrifft, und das was du erreichen willst, frage dich stets:

Kontrolliere ICH sie oder kontrollieren SIE mich?

Denn sobald wir uns darauf fixieren, dass das was wir „wollen“ oder eben „nicht wollen“ so eintreten MUSS, begeben wir uns unausweichlich in eine Abhängigkeit. Ein „Nicht-Eintreten“ der Erwartung kann uns dann womöglich den Boden unter den Füßen wegziehen. D.h. JA, wir brauchen Ziele und dürfen diese auch wollen, aber die Gewichtung und Abhängigkeit darf uns im Ernstfall nicht erschüttern. Dies gelingt dann, wenn wir trotz Zielorientierung den Blick auf das „Große Ganze“ nicht verlieren und gut bei uns bleiben.

Alleine wenn du das Blog-Foto betrachtest: wenn ich unbedingt will dass die schönen Herbstfarben des Baumes erhalten bleiben wird mir das nichts helfen. Laub verfärbt sich – fällt ab – der Baum wird kahl – grüne Blätter wachsen nach. Diesem Rhythmus kann man sich nicht entgegenstellen.

Du willst bestimmt keinen Riesen-Pickel mitten im Gesicht. Wenn er aber da ist kannst du ihn über schminken, ausquetschen, etc. – aber er ist da – auch wenn du dich noch so sehr dagegen wehrst – das ist vergeudetet Energie.

Akzeptanz entwickeln

Ich bin „Sichtwechslerin“, und werde täglich mit den unterschiedlichsten Themen und Herausforderungen konfrontiert. Das Hauptanliegen ist sehr häufig, dass wir uns oft weigern, unvermeidliche Aspekte anzunehmen und Frieden zu schließen. Wir kämpfen bewusst oder unbewusst dagegen an und quälen uns damit völlig unnötig. Denn durch die Kapazität zur Akzeptanz des Lebens in all seinen Facetten würde sich vieles zum Positiven verändern: die Haltung, der Muskeltonus, die Befindlichkeit, bei gleichzeitiger Bündelung der Kräfte bzw. Energien! In der Akzeptanz zeigt sich die Fähigkeit der Resilienten, wenn nötig „mit dem Flow“ zu gehen – bei gleichzeitiger Ausschöpfung ihrer Möglichkeiten.

Um eine solche Akzeptanz zu entwickeln benötigt es die bewusste innere Entscheidung dafür. Diese Fähigkeit steigert sich oft im Laufe des Lebens bzw. mit der Lebenserfahrung. Denn auf jede Krise folgt stets ein Aufschwung – diese Erkenntnis sorgt in Folge für Gelassenheit und innerer Balance.

Jeder kann nur SICH SELBST verändern, nie den anderen. Vielleicht ist gerade das die schwierigste Herausforderung in der heutigen Zeit, wo es doch so viel einfacher ist, dem System, der Politik, dem Chef, dem Partner, schlichtweg DEM ANDEREN die Schuld für die aktuelle Situation in die Schuhe zu schieben.

Die Energie folgt stets deinen Gedanken bzw. deiner Aufmerksamkeit – gehe also achtsam damit um! Ich wünsche jedem Einzelnen ganz viel Mut, Zuversicht und Offenheit für alles was möglich und anders wird, denn „Das Neue ist schon da – das Alte macht nur so viel Lärm beim Sterben“ (Eckhart Tolle)

Und niemand könnte diesen Blog besser abschließen als wiederum ein Stoiker aus der Vergangenheit – Mark Aurel:

„Gib den äußeren Umständen nicht die Macht, deinen Ärger zu provozieren, denn ihnen ist es völlig egal.“

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Für all jene, die sich bei diesem Thema angesprochen fühlen, könnte diese kraftvolle Essenz aus der Serie „bewusstSEIN erLEBEN“ eine großartige Unterstützung darstellen.